Vor mehr als zwei Jahren schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die Wettbewerbe um das Betriebssystem oder die Internetsuche sind entschieden. Nun konkurrieren die Internetgiganten um das nächste große Ding im Web.“ Mit dem nächsten großen Ding war „Cloud Computing“ gemeint. Trotz immenser Investitionen der Hersteller in Forschung und Entwicklung hat sich jedoch seither für den Privatanwender nicht viel verändert.
Und auch der Blick in die Presse vermittelt den Eindruck, als wäre in 2 Jahren nichts passiert. Es geht wieder um die Cloud und wieder sieht die FAZ "Computerwelt abermals vor einem Strukturwandel“.
Cloud Computing wird im Gegensatz zu den etablierten Modellen (Mainframe oder Client/Server) der immer größeren Präsenz von Informationstechnologien im privaten und beruflichen Alltag besser gerecht. Im Groben lässt sich diese Entwicklung mit „Outsourcing“ oder „Virtualisierung“ umschreiben. Nur werden Dienste nicht zentralisiert auf einem Server in einem lokalen Netzwerk bereitgestellt und als Virtualisierung auf einzelnen Desktops angeboten, sondern unabhängig von einem Netzwerk über das Internet zur Verfügung gestellt.
Webmail-Dienste, Online-Fotoalben oder Videoplattformen stellen Services dar, auf die das Cloud-Konzept aufbaut. Diese Dienste und deren Inhalte sind unabhängig von Standort oder Endgerät überall nutzbar und abrufbar. Die einzige Zugriffsvoraussetzung ist ein Internetanschluss. Auf dem Endgerät müssen weder die Informationen selbst gespeichert noch die notwendige Software installiert sein. Das spart Zeit, Geld, Personal und Ressourcen. Immer mehr Unternehmen lagern ihre Netze, Anwendungen und Daten auf Serverfarmen professioneller Anbieter irgendwo auf dem Globus aus. Unter Umständen kann dadurch auf den Unterhalt einer eigenen IT-Abteilung gänzlich verzichtet werden. Auf die benötigten Informationen und Programme kann via Internet in Echtzeit zugegriffen werden. Die zur Verfügung gestellten Services werden nach dem Umfang der tatsächlichen Nutzung abgerechnet. Es muss z.B. keine Grafik-Software auf klassischem Weg mehr erworben werden, wenn einmalig ein Foto zu bearbeiten wäre. Das Abrechnungsmodell ist mit dem von Mietwagen oder Pay-per-View-Diensten vergleichbar.
Eine "Private Cloud" wird ausschließlich von einer geschlossenen Gruppe, etwa einem Unternehmen, genutzt. Ein Service wie Youtube wäre ein Beispiel für "Public Clouds." Am weitesten verbreitet sind im Moment Kombinationen aus diesen beiden und traditioneller IT-Infrastruktur, sogenannte "Hybrid Clouds."
Gegenwärtig sind folgende Cloud-Dienste verbreitet: "Software as a Service" (Anwendungen über das Internet nutzen), "Infrastructure as a Service" (Speicherplatz mieten) und "Platform as a Service" (Abruf von Laufzeitumgebungen).
Ein Bericht der Computerwoche lässt darauf schließen, dass es nun mit Cloud Computing richtig losgeht. Dieses Jahr wird in Deutschland ein Gesamtumsatz von 1,1 Milliarden erwartet. Eine Prognose für die nächsten 5 Jahre stellt ein jährliches Wachstum von über 40% in Aussicht.
Bis jeder Nutzer, gleich ob privat oder beruflich, alle benötigten oder persönlichen Anwendungen und Daten, unabhängig von Standort oder Endgerät, aus der Wolke bezieht bleibt also nur eine Frage der Zeit - ebenso wie bereits vor mehr als zwei Jahren.
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