Freitag, 3. Februar 2012

EGILIA informiert: PMBoK vs. PRINCE2

Was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem PMBoK Guide des PMI und der Methode PRINCE2 des OGC? Welche Verbindungen gibt es? Diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen.



Der PMbok Guide beschreibt einen Teil eines Korpus von allgemein anerkannten Kennntnissen des Projetmanagements als Spiegel von Best Practices. Diese Referenz bezieht sich auf die Kenntnisse des Projektleiters selbst und stellt einen Standard dar - im Gegensatz zu einer Methode.



Der Ansatz des Werks ist prozessorientiert. Tatsächlich sind 42 Subprozesse in 5 Prozessgruppen aufgeteilt, die in 9 Knowledge Areas, wie z.B. Inhaltsmanagement, Kostenmanagement, Terminmanagement, Risikomanagement etc. organisiert sind.



Ein Hauptpunkt des PMBoK ist die Verantwortlichkeit des Projektleiters. Ihm ist die alleinige Verantwortung zu dem Projekt gegeben und er ist zu allen nötigen Entscheidung für einen guten Verlauf autorisiert.

Als Zulassungsvoraussetzungen zur Prüfung zur PMP-Zertifizierung des Project Management Institute werden wenigstens 5 Jahre Projekterfahrung bei Mittlerer Reife bzw. wenigstens 3 Jahre Projekterfahrung beim Besitz eines Hochschuldiploms in den letzten 8 Jahren vor der Zertifizierung gefordert. 10 Prozent der Kandidaten werden diesbezüglich einem Audit unterzogen. Diese Zertifizierung manifestiert sich also in Projekterfahrung und akademischen Wissen.



PRINCE2 beschreibt eine strukturierte Projetmanagementmethode, die auch in Best Practices mündet und seit 1975 aktualisiert und dokumentiert wird.

Diese Methode kann auf alle Projekttypen angewendet werden. PRINCE2 beschreibt weniger die Kenntnisse die ein Projektleiter besitzen muss, sondern eher die Art und Weise der Strukturierung und Organisation eines Projekts auf einer Team-Skala und drei Verantwortungsebenen:

  • Spezialistenteams, die das Arbeitspaket realisieren
  • Projektleiter, der das gesamte Projekt verwaltet
  • Lenkungsausschuss (Project Board), bestehend aus Vertretern von Benutzern, Lieferanten und Vertretern der Geschäftsleitung, die letztendlich verantwortlich für die Entscheidungen über den Umfang des Projekts sind und es überwachen



Wir sehen hier  also einen Unterschied zu dem PMBoK. Bei der Methode PRINCE2 werden die Entscheidungen nicht vom Projektleiter getroffen. Dieser bereitet lediglich die Informationen vor, die Entscheidungen werden vom Lenkungsausschuss getroffen.



Mit der PRINCE2 Practitioner Zertifizierung weist der Projektleiter nach, dass er die Methode beherrscht. Sie bescheinigt ihm weder akademische Kenntnisse noch Praxiserfahrung. 

Der PMBoK-Guide beschreibt bildhaft gesprochen die Kompetenzen und Kenntnisse eines Tischlers und wie eine gute Tischlerei ausgestattet sein soll, PRINCE2 bietet eine Bauanleitung.



Wenn Sie sich fragen, ob die PMI-Referenz oder die Methode PRINCE2 zu bevorzugen sei, wäre die passende Antwort: beide sind auf jeden Fall kompatibel. Für einen Projektleiter stellt deren ergänzende Kombination eine Versicherung seiner Kenntnisse und Erfahrung sowie die Gewissheit dar, dass die Projekte im gesamten Unternehmen gemäß einer strukturierten Methode ausgeführt werden.



Wir können nebenbei feststellen, dass sich der PMI-Standard und die Methode PRINCE2 beide einzeln und auf komplementäre Weise zur Optimierung der Reifegrade eignen, wie sie im CMMI-Modell beschrieben ist.



Quelle: itil.fr (Stéphane Monnot-Boudrant)

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